Agenda-Surfing ist gegeben, wenn die Medien immer in dieselbe Kerbe schlagen

Ganz so einfach ist die Formulierung Agenda-surfing nicht zu erklären. Hier stecken die kommerziellen Interessen der Medienlandschaft im Hintergrund. Es geht schlicht um den Informationsabsatz, will heißen die Einschaltquoten und die Zeitungsabsätze, die Anzahl der Klicks im Internet.

Auch das Agenda-surfing ist ein Unterbegriff des Themas Agenda-setting. Hier jedoch steht der finanzielle Erfolg der Medienkonzerne im Vordergrund. Sogenannte Meinungsführermedien geben einen bestimmten Trend vor, dem kleine Medienbetriebe getrost folgen können. Solange die Bevölkerung mit, vielleicht nur angeblich, immer neuen Informationen zu einem Thema versorgt wird, entsteht bildlich eine Welle. Auf dieser Welle nun können Medienagenturen gefahrlos surfen. Der Absatz ihres Mediums ist mit dieser Thematik gesichert. Die Bevölkerung, das Publikum, der Käufer hat bereits bewiesen, dass er interessiert ist, ist sozusagen das Wasser, aus dem die Welle besteht.

Die Gezeiten oder der Wind aber, die die Welle haben aufkommen lassen, sind an anderer Stelle zu suchen. Hier sind politische Instanzen zu nennen, durchmischt von finanziellen Interessen der Industrie, dem Lobbyismus, an dem jede Demokratie kränkelt. Ein besonders hässliches Beispiel für das Schlagwort Agenda-surfing ist die Berichterstattung über die beiden Naturkatastrophen, die Ende 2004 und Mitte 2005 die Erde erschütterten. Während die Berichterstattung aller Medien zu dem Tsunami in Süd-Ost-Asien umfassend und äußerst reichhaltig war, wurde über ein anderes, sogar noch wesentlich heftigeres Unglück, dem Erdbeben in Pakistan nämlich, nur sehr spärlich berichtet. Der Grund ist ganz offensichtlich. Den Medien erschienen immer neue Meldungen über Katastrophen absatzschmälernd, sie fürchteten Umsatzeinbrüche. So aber wurde es möglich gemacht, dass für die Opfer des Tsunamis etwa fünfundneunzig Prozent mehr an Hilfsmitteln und Spenden zur Verfügung gestellt wurden, als für die weitaus schlimmer betroffene Erdbebenregion.

Oliver Schmid

Oliver Schmid

Redakteur bei digitalinstitut.de
Mein Name ist Oliver Schmid, ich lebe und arbeite in Friedrichshafen (Bodensee). Ich bin Online Marketing Enthusiast und Internet-Unternehmer seit 2009.
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