Hohe Studiengebühren versus leeres Studentenkonto

Die Studiengebühren fordern jedes Studentenkonto heraus. Mehr finanzielle Freiheit für Bildungswillige, aber auch technisch besser ausgestattete Hochschulen liegen im Fokus der Studenten im Bildungsstreik.

04. 2010

Seit der Bolognareform vor 10 Jahren hat die Anzahl der Studierenden in Deutschland um ca. 20% zugenommen. Heute suchen ungefähr 2,2 Millionen zukünftige Bachelor und Master die zum Teil stark ausgelasteten Hochschulen und Universitäten auf. Derzeit sind viele Studenten im sogenannten Bildungsstreik. Gründe dafür sind einerseits die für viele Bildungswillige unerschwinglichen Studiengebühren und andererseits die erschwerten Studienbedingungen.

Die Studiengebühren pro Semester sind landesweit nicht einheitlich, belaufen sich aber im Mittelwert auf 500 Euro. Auch wenn dieser Betrag nur halbjährlich gezahlt werden muss, für ein durchschnittliches Studentenkonto ist er sehr hoch. Was viele der Studenten aber gar nicht kennen, ist das Angebot der NRW-Bank auf leihweise Übernahme dieser Kosten. Diese brauchen dann unter bestimmten Bedingungen nur zu einem deutlich geringeren Prozentsatz zurückgezahlt zu werden.

Einige Studierende haben bereits Familie und damit ein besonders hoch belastetes Studentenkonto. Da nutzt es auch nichts, wenn so ein Girokonto mit der Studentenbescheinigung völlig kostenlos eröffnet und genutzt werden kann. Über das Berufsausbildungsförderungsgesetz (BAföG) erhält der erziehende Studierende zwar einen Kinderbetreuungszuschlag, allerdings ist dieser trotz einer kürzlich erfolgten Beitragerhöhung für viele Studenten noch immer viel zu gering bemessen. Deshalb ist für die betreffenden Streikenden auch dies ein wichtiger Interessenpunkt, der debattiert werden soll.

Der Hauptgrund für den aktuellen Bildungsstreik sind aber die Raumnot in vielen Universitäten, der Mangel an qualifiziertem Personal und vor allem das Bildungssystem für Bachelor- und Masterstudiengänge. Seit Abschaffung von Magister und Diplom und der Möglichkeit, sein Studium und den Lehrinhalt organisatorisch nach seinen eigenen Interessen zu gestalten, fühlen sich viele Studenten benachteiligt. Prüfungen werden in zu kurzen Intervallen geschrieben, der Abschluss nach zu kurzer Zeit ohne Reifebildung erzielt und die themenspezifische Flexibilität leidet unter der straffen Planumsetzung des Bildungsprozesses. Trotz Streik ist eine Reform der Bolognareform wohl nicht abzusehen.